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Haus verkaufen ohne Makler: der komplette Ablauf

In Deutschland ist der Privatverkauf ausdrücklich erlaubt — und rechtlich weniger riskant, als viele denken. Der Grund: Den heikelsten Teil, den Kaufvertrag, übernimmt ohnehin ein Notar. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, was Sie selbst erledigen und was Sie dabei sparen.

Die Kurzfassung: Üblich sind rund 7,14 % Provision inkl. MwSt., die Käufer und Verkäufer bei Wohnimmobilien seit Dezember 2020 in der Regel je zur Hälfte tragen (§ 656c BGB) — also etwa 3,57 % für Sie als Verkäufer. Bei 400.000 € Kaufpreis sind das rund 14.280 €, die beim Verkauf ohne Makler bei Ihnen bleiben. Mit dem Rechner ausrechnen →

1. Unterlagen zusammenstellen

Käufer und finanzierende Banken fragen fast immer dieselben Dokumente ab. Wer sie vorbereitet hat, wirkt professionell und verkürzt den Prozess deutlich:

2. Energieausweis besorgen — das ist Pflicht

Der Energieausweis ist keine Formalie: Er muss Interessenten spätestens bei der Besichtigung unaufgefordert vorgelegt und bei Vertragsabschluss übergeben werden. Zusätzlich müssen bestimmte Kennwerte bereits in der Immobilienanzeige stehen (§ 87 GEG) — Energieträger, Baujahr, Energiekennwert und Energieeffizienzklasse. Fehlen diese Angaben, drohen Bußgelder (§ 108 GEG; in der Praxis werden bis zu 15.000 € genannt).

Beide sind zehn Jahre gültig. Besorgen Sie ihn vor dem ersten Inserat, nicht danach.

3. Realistischen Preis ermitteln

Der häufigste und teuerste Fehler beim Privatverkauf ist ein zu hoher Startpreis. Immobilien, die monatelang inseriert sind, gelten am Markt als „Ladenhüter" und werden am Ende oft unter Wert verkauft. Drei kostenlose Quellen, die zusammen ein belastbares Bild ergeben:

Faustregel: Wenn in den ersten zwei Wochen keine ernsthaften Anfragen kommen, liegt es fast immer am Preis — nicht an den Fotos.

4. Exposé und Pflichtangaben

Das Exposé ist Ihr Verkaufsprospekt. Was wirklich zählt:

5. Inserieren

Private Verkäufer können auf allen relevanten deutschen Portalen selbst inserieren — unter anderem ImmobilienScout24, Immowelt und Kleinanzeigen. Die Reichweite der großen Portale ist der eigentliche Wert, den ein Makler traditionell verkauft; sie ist privat zugänglich.

Tipp zur Erreichbarkeit: Legen Sie eine separate E-Mail-Adresse für den Verkauf an und nennen Sie feste Zeitfenster für Rückrufe. Der häufigste Grund, warum Privatverkäufe stocken, ist schlicht: Anfragen bleiben zu lange unbeantwortet.

6. Besichtigungen und Verhandlung

7. Der Notartermin — und warum das den Privatverkauf absichert

Das ist der Kern, den viele nicht wissen: Ein Immobilienkaufvertrag ist in Deutschland ohne notarielle Beurkundung unwirksam (§ 311b Abs. 1 BGB). Die Eigentumsübertragung (Auflassung) muss ebenfalls vor dem Notar erklärt werden (§ 925 BGB). Der Notar ist damit kein optionaler Dienstleister, sondern gesetzlich zwingend — und er ist zur Neutralität gegenüber beiden Seiten verpflichtet.

Konkret übernimmt der Notar:

Anders gesagt: Der juristisch gefährlichste Teil einer Immobilientransaktion wird in Deutschland ohnehin von einem staatlich bestellten, neutralen Volljuristen erledigt — unabhängig davon, ob ein Makler beteiligt war oder nicht. Genau deshalb ist der Privatverkauf hier deutlich weniger riskant als etwa im angelsächsischen Raum.

Üblich ist, dass der Käufer den Notar auswählt und die Notar- und Grundbuchkosten trägt (zusammen etwa 1,5–2 % des Kaufpreises). Die Gebühren sind im GNotKG gesetzlich festgelegt und bei allen Notaren identisch — Preisvergleiche sind daher zwecklos.

8. Was der Verkauf wirklich kostet

PositionWer zahltGrößenordnung
Maklerprovision (üblich, hälftig geteilt)beide Seitenca. 3,57 % je Seite
EnergieausweisVerkäufer50–500 €
Grundbuchauszug, UnterlagenVerkäufer20–100 €
Inserate auf PortalenVerkäufer0–400 €
Löschung alter GrundschuldenVerkäuferje nach Betrag
Notar & Grundbuchüblicherweise Käuferca. 1,5–2 %
GrunderwerbsteuerKäufer3,5–6,5 % je Bundesland

Ein zweiter, oft übersehener Effekt: Fällt die Provision weg, spart auch der Käufer seinen Anteil. Das macht Ihr Angebot bei gleichem Preis attraktiver — oder erlaubt Ihnen, einen Teil davon in den Kaufpreis einzupreisen.

Steuerlicher Hinweis: Wird eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf wieder verkauft und wurde sie nicht durchgehend selbst bewohnt, kann Spekulationssteuer anfallen (§ 23 EStG). Das ist unabhängig davon, ob mit oder ohne Makler verkauft wird — klären Sie es vorab mit Ihrem Steuerberater.

9. Typische Fehler beim Privatverkauf

  1. Zu hoher Startpreis — kostet am Ende mehr als jede Provision.
  2. Unterlagen erst auf Nachfrage — bremst genau die ernsthaften Käufer aus.
  3. Mängel verschweigen — der vereinbarte Haftungsausschluss schützt bei Arglist nicht.
  4. Kein Finanzierungsnachweis — führt zu geplatzten Notarterminen.
  5. Fehlende Pflichtangaben im Inserat — vermeidbares Bußgeldrisiko.
  6. Schlechte Erreichbarkeit — der häufigste stille Verkaufskiller.

Dieser Leitfaden dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Angaben zu Provisionssätzen sind marktübliche Größenordnungen, keine festen Preise — Provisionen sind frei verhandelbar. Stand: August 2026. Zur Startseite · Provisionsrechner